Der Hund zieht an der Leine - nichts hilft?
Es ist kein schöner Anblick und noch weniger ein schönes Gefühl: Wenn der Hund mit seinem gesamten Körpergewicht "in den Seilen" hängt und wie ein Irrer an der Leine zieht, wird aus dem gemeinsamen Spaziergang ganz schnell ein Albtraum.
Damit sich die Gassirunden entspannt gestalten, sollte der Hund lernen, an der lockeren Leine zu gehen. Das ist etwas zwangloser als das bekannte "´Bei Fuß"- Laufen. Der Hund muss nicht akkurat neben dem Hundeführer herlaufen und hat die Möglichkeit, seinen Bedürfnissen wie schnüffeln und markieren, nachzukommen.
Leinenführigkeit
Bevor ein Hund das Kommando „Bei Fuß“ lernt, sollte er schon an der lockeren Leine gehen können, also leinenführig sein.
Bei dem Prinzip: „An der lockeren Leine gehen“ kommt es nicht darauf an, dass der Hund direkt neben dem Herrchen hergeht. Er kann ruhig vor seinem Halter herlaufen, wichtig ist nur, dass nicht gezerrt wird und dass die Leine leicht durchhängt. Für dieses Verhalten muss kein Kommando konditioniert und gegeben werden.
Tipps zur Leinenführigkeit und wie man diese erarbeitet, finden sich im Netz viele. Eine Methode, die ich plausibel finde und die meines Erachtens auch gut funktionieren kann (nur nicht bei Mini-Bulli-Welpen) ist diese: Der Hund wird an der kurzen Leine geführt. Sobald der Hund am Hundeführer vorbei läuft, macht dieser kommentarlos auf den Hacken kehrt und geht in die andere Richtung. Den Hund führt er natürlich mit. Das passiert so lange, bis der Hund nicht mehr nach vorne schießt.
Zwei Dinge, die diese Methode für mich disqualifizieren:
1. Der Hund darf bei mir an der lockeren Leine auch vor mir her laufen, solange er nicht zieht
2. Bei einem Mini Bullterrier Welpen wird die Methode ohnehin nicht funktionieren.
Warum? Mini Bullterrier sind nicht besonders lauffreudig. Als Welpen schon mal gar nicht. Für einen Hundewelpen ist es unnatürlich, das häusliche Umfeld zu verlassen und Gassi zu gehen. Sie werden also froh sein, wenn sich Ihr Hund überhaupt einmal in die eine Richtung bewegt. Läuft er an Ihnen vorbei und Sie drehen sich auf den Fersen um und wechseln die Richtung, wird sich Ihr Hundekind auf den gut gepolsterten Hintern setzen und Sie anstarren. Das Aha-Erlebnis bleibt also aus. Jedenfalls für Ihren Hund. Nicht für Sie.
Sie müssen Ihrem Miniatur Bull Terrier klar und eindeutig vor Augen führen, dass das Ziehen an der Leine nicht erwünscht ist. Wie macht man das? Nun, zunächst müssen Sie dafür sorgen, dass Ihr Welpe sich überhaupt fortbewegt: Aus diesem Grund sollten Sie dieses Training unbedingt auf dem Rückweg abhalten, wenn der kleine Hund nach Hause strebt.
Läuft der Hund locker neben Ihnen: Loben Sie, was das Zeug hält. Zieht der Knirps: Beugen Sie sich herunter und schieben das Hundekind mit sanftem Druck zurück. Dann gehen Sie weiter. Hängt die Leine durch, loben Sie wieder. Wird die Leine straff, schieben Sie den Hund erneut zurück. Es kann einige Zeit dauern, bis der Hund versteht, dass zwischen der straff gespannten Leine und dem Zurückschieben ein Zusammenhang besteht, aber es lohnt sich.
Durch die non-verbale Kommunikation ohne ein konditioniertes Kommando wird das entspannte Laufen ganz normal für ihren Hund und sie können leise lächeln, wenn Ihnen ein Hund-Mensch-Gespann entgegen kommt, bei dem sich unwillkürlich die Frage aller (Hunde-)Fragen aufdrängt: Wer geht hier mit wem spazieren?
Bei Fuß laufen
Bei der Hundeerziehung stößt man des Öfteren an seine Grenzen. Seelisch – und auch körperlich.
Zugegeben: Einem Hund beizubringen, direkt neben dem Hundeführer zu laufen gehört zu den körperlich intensivsten Trainingseinheiten. Jedenfalls, wenn es sich um einen kleinen Hund handelt.
Wenn ein Hund bereits leinenführig ist und sich an seinem Halter orientiert, dann fällt die folgende Übung leicht und der Mini lernt schnell, was von ihm verlangt wird. Üben Sie zunächst im Haus oder im Garten oder an einer Stelle, an der nur wenig Ablenkung zu erwarten ist.
Suchen Sie sich bitte vorher aus, auf welcher Seite Ihr Hund bei Fuß gehen soll und behalten Sie diese Seite bei. Das ist viel einfacher für Ihren Vierbeiner.
- Stellen Sie sich zunächst so neben Ihren Hund, dass Sie beide in eine Richtung blicken. Wenn Sie Ihren Hund so konditionieren möchten, dass er immer links neben Ihnen herläuft, dann stellen Sie sich auf seine rechte Seite – wenn er rechts laufen soll, dann stellen Sie sich auf seine linke Seite.
- Nehmen Sie eine Handvoll Leckerchen in die Hand, die Ihrem Hund am nächsten ist. Lassen Sie den Mini riechen, dass Sie da etwas Leckeres in der Hand haben.
- Geben Sie Ihrem Hund ein Signal (Komm, Los, Ok) und marschieren Sie los.
- Halten Sie dazu die Hand mit den Leckerchen direkt an Ihrem Oberschenkel bzw. Knie und somit auf „Nasenhöhe“ Ihres Azubis.
- Geben Sie von Zeit zu Zeit ein Leckerchen aus Ihrer Hand, damit der Hund weiter mit der Nase dicht an Ihrem Bein bleibt.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Hund immer direkt neben Ihnen läuft, bzw. leicht hinter Ihnen und belohnen Sie ausschließlich dieses Verhalten.
- Korrigieren Sie es umgehend, wenn Ihr Hund an Ihnen vorbeiläuft. Z. B. können Sie mit der „Leckerchenhand“ den Hund wieder in die Position neben sich zurückführen. Dann geht es weiter.
- Üben Sie immer nur kurz, loben Sie viel.
- Nehmen Sie nach einiger Zeit das Kommando „Bei Fuß“ mit in die Übung auf.
Wenn Ihr Hund die ihm zugedachte Position einigermaßen kennt und Sie ihn nicht mehr permanent mit dem Leckerchen anleiten müssen, können Sie auch Ihre gebückte Haltung aufgeben. - Sobald Ihr Hund das Kommando kennt und nur noch dann und wann kleine Korrekturen notwendig sind, können Sie auf dem Spaziergang (am besten auf dem Weg nach Hause) kurze Wegstrecken „bei Fuß“ absolvieren und das Kommando festigen.